Kehrein, Kehraus
Die Langzeitbeobachtung der KEHRAUS-Trilogie beginnt 1990, kurz nach der Wiedervereinigung. Die Protagonist*innen Henry, Stefan und Gabi, die Gerd Kroske vor der Kamera versammelt, sind zwangsweise als Kehrer*innen bei der Straßenreinigung in Leipzig angestellt. Die drei Filme erzählen zusammen eine Geschichte wachsender Verarmung, von einem durchritualisierten Alltag und leerlaufender Geschäftigkeit zwischen Wohnung, Sozialamt und Kneipe.
Im Oktober 1996, fast zehn Jahre nach der Begegnung mit den drei Leipziger Straßenkehrer*innen, besucht Regisseur Gerd Kroske sie erneut. In der Zwischenzeit hatten sie ihre Putzjobs aufgegeben und den Kontakt zueinander verloren. Sie schlagen sich durch, ihr Leben spielt sich zwischen Wohnung, Kneipe und Sozialamt ab. In einer Parallelmontage bringt der Regisseur seine drei Protagonist*innen wieder zusammen und stellt mit Zitaten aus seinem Dokumentarfilm KEHRAUS von 1990 eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart her und erkundet, was aus ihren Ängsten und Hoffnungen geworden ist.
Über die KEHRAUS-Trilogie:
Bei einem Besuch in Leipzig im Sommer 1989 lernte der Regisseur Gerd Kroske drei Straßenreiniger*innen kennen. Er arbeitete gemeinsam mit ihnen fast zwei Wochen lang in der Nachtschicht und beschloss, ihr Leben zu dokumentieren. Erste Szenen mit ihnen erscheinen in LEIPZIG IM HERBST (DDR, 1989, Co-Regie mit Andreas Voigt), einem Dokumentarfilm über die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Im Frühjahr 1990 kehrte Kroske zurück, um den historischen Moment und das Erbe der Wende zu dokumentieren. Er drehte KEHRAUS, den ersten Teil seiner hochgelobten Kehraus Trilogie (1990–2006), ein Langzeitbeobachtungsprojekt, das sich auf das Leben der Straßenkehrer*innen konzentriert und den sozialen Abstieg während der Wende und darüber hinaus dokumentiert.
Bild © DEFA-Studio