Kehraus, wieder
Die Langzeitbeobachtung der KEHRAUS-Trilogie beginnt 1990, kurz nach der Wiedervereinigung. Die Protagonist*innen Henry, Stefan und Gabi, die Gerd Kroske vor der Kamera versammelt, sind zwangsweise als Kehrer*innen bei der Straßenreinigung in Leipzig angestellt. Die drei Filme erzählen zusammen eine Geschichte wachsender Verarmung, von einem durchritualisierten Alltag und leerlaufender Geschäftigkeit zwischen Wohnung, Sozialamt und Kneipe.
Zehn Jahre sind vergangen seit Regisseur Gerd Kroske die drei Leipziger Straßenkehrer*innen zuletzt getroffen hat. Ihr sozialer Abstieg ist durch Alkoholismus und Arbeitslosigkeit noch deutlicher sichtbar. Während einer von ihnen gestorben ist, leben die anderen nur noch so dahin. Kroske zeigt seine Protagonist*innen mit Würde und betont ihren Kampf gegen die Verwahrlosung und die Einsamkeit, die ihnen ins Gesicht geschrieben steht.
Über die KEHRAUS-Trilogie:
Bei einem Besuch in Leipzig im Sommer 1989 lernte der Regisseur Gerd Kroske drei Straßenreiniger*innen kennen. Er arbeitete gemeinsam mit ihnen fast zwei Wochen lang in der Nachtschicht und beschloss, ihr Leben zu dokumentieren. Erste Szenen mit ihnen erscheinen in LEIPZIG IM HERBST (DDR, 1989, Co-Regie mit Andreas Voigt), einem Dokumentarfilm über die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Im Frühjahr 1990 kehrte Kroske zurück, um den historischen Moment und das Erbe der Wende zu dokumentieren. Er drehte KEHRAUS, den ersten Teil seiner hochgelobten Kehraus Trilogie (1990–2006), ein Langzeitbeobachtungsprojekt, das sich auf das Leben der Straßenkehrer*innen konzentriert und den sozialen Abstieg während der Wende und darüber hinaus dokumentiert.
Bild © DEFA-Studio